Aufsteigerjungs!!!

Vor einer sensationellen Kulisse in der Schachenhalle steigt das Team Aarau nach einem Hitchcock-Finale in der Verlängerung gegen Hornets Regio Moosseedorf Worblental in die 1. Liga auf. Mit der Rückhand spielte Marco Stoltenberg einen hohen Pass von Matthias Kull in der Verlängerung direkt vors Tor auf U21 Crack Florian Kull, der Schwarz-weiss-rot in den siebten Unihockeyhimmel schoss und die Schachenhalle zum Explodieren brachte. Es war ein Drehbuch der Superlative mit bester Werbung für die Sportart Unihockey.

Im alles entscheidenden fünften Spiel ging Aarau wie schon in den vorangegangen vier Duellen in Führung. Der Aarauer Regisseur Rafi Hug bediente seinen kongenialen Sturmpartner Peter Byland, der einmal mehr sehenswert ins hohe Eck traf. Damit war die Partie so richtig lanciert, die Ränge in der altehrwürdigen Schachenhalle hatten sich längst gefüllt – nicht ganz so wie am Nachmittag im Europacup Handballspiel des HSC Suhr Aarau zwar, aber 350 Zuschauer dürfen als sehr schöne Kulisse bezeichnet werden. Zudem zeigten sich beide Fanlager frenetisch und lautstark. Die Aarauer Fangemeinde hatte sich kurzerhand Trommeln, Pauken und ein Megafon organisiert, sodass der Heimvorteil der Aargauer trotz auch lautstarken Gästefans zum Tragen kam. Die Berner verbuchten dann in der 16. Minute den Ausgleich, aber noch vor der Pause stellte der Unterklassige auf 2:1. Im Powerplay spielte Captain Dominic Studer einen Querpass auf Peter Byland, der eine persönlich schlicht hervorragende Saison mit seinem zweiten Treffer an diesem Abend krönte – dieses Mal wählte er trocken-halbhoch, wieder eine Augenweide. Sekunden nach dem ersten Pausentee sah erneut Dominic Studer, der in dieser wichtigen Partie fehlerfrei spielte und mit Adlerherz ein Mammut-Laufprogramm absolvierte, Marco Stoltenberg alleine vor des Gegners Gehäuse. Sein als Pass gedachter Ball fand den Weg direkt ins Tor zum 3:1. Die Gäste reagierten und kamen nach einer sehenswerten Einzelleistung ihres besten Feldspielers, Silvan Oester, nach einem technisch einwandfreien Drehschuss auf 3:2 heran. In der Folge vergaben die Adler mehrere tolle Chancen, während die Kanoniere der Hornissen mit ihren Distanzschüssen stets aus allen Lagen gefährlich blieben. Tore gab es erst im Schlussabschnitt wieder. Mitten in der Aufholjagd des Oberklassigen dann eine Szene, die in dieser stets fairen, aber hart umkämpften Serie, besondere Beachtung verdiente. Der ehemalige Junioren-Natispieler Silvan Oester korrigierte einen Schiedsrichter Entscheid gegen die Aarauer, indem er darauf hinwies, dass er den Ball zuletzt berührt habe; statt Freistoss Hornets, also Freistoss Aarau – und dies in der Zone der Aarauer Verteidigung; Chapeau, eine Geste die zum einen besonderen Respekt verdient und zum anderen unterstreicht, dass sich die beiden Teams jederzeit mit Anstand begegneten. Auch die Fanlager fokussierten sich darauf, ihre Lieblinge anzufeuern, ohne dass man es je für nötig befunden hätte, den Gegner schlechtzurufen. Zurück zum Spielverlauf: Elio Fritschi glich für die Hornets in der 47. Minute aus, Aarau wurde aber in der Folge wieder aktiver und kreierte gefährliche Offensivaktionen. Beide Mannschaften hatten mehrere Topaktionen zu verzeichnen, schenkten sich weiterhin nichts und verlangtem dem Publikum manches Raunen ab. Die Abschlüsse wurden jedoch von den beiden Torhütern mit ein paar Glanzparaden entschärft. Bei Aarau verdiente sich Luz Mäder einmal mehr Bestnoten im Aarauer Gehäuse: zwei, drei Mal hexte er, Fehler beging er keine und die Souveränität, die er ausstrahlte, ohne dabei je in die Nähe von Arroganz zu rücken, waren schlicht beeindruckend. 3:3 stand es nach 60 Minuten, damit musste die Verlängerung her. In dieser ging es weiter hoch zu und her, bis eben Matthias Kull den letzten Angriff der Saison lancierte und Marco Stoltenberg mit seiner tollen Stocktechnik und Übersicht den hohen Ball per Rückhand direkt auf den aufgerückten Florian Kull legte, der ins Glück traf. Der Jubel kannte in der Folge keine Grenzen – Aufstieg!

Nach einer intensiven Saison steigt das Team Aarau nach 2017 zum zweiten Mal in die 1. Liga auf. Nach einer fast schon perfekten Qualifikation, in der man vor allem gegen die direkten Kontrahenten um die Playoff-Plätze die engen Duelle für sich entscheiden konnte, und einem 2:0 in den hart geführten Playoffs gegen die Zulgtal Eeagles konnte Aarau die best of five-Serie gegen die Hornets denkbar knapp für sich entscheiden. Mehrheitlich waren die Aarauer den Bernern ebenbürtig, hatten Phasen, in denen sie dem Spiel den Stempel aufdrücken konnten, mussten aber insbesondere in Spiel 2 und im Schlussdrittel von Spiel 4 die bisweilen spielerische Überlegenheit des Gegners anerkennen. Keines der beiden Teams hat es verdient diese Serie zu verlieren, aber eine Entscheidung musste schliesslich her. War sie am Samstagabend in der Verlängerung noch zugunsten der Berner gefallen, jubelten etwas mehr als 24 Stunden später die Adler.

Das Team Aarau dankt an dieser Stelle der Mannschaft und den Fans Hornets Regio Moosseedorf Worblental für die fünf intensiven, hart umkämpften und fairen Spiele!

Team Aarau – Hornets R.Moosseedorf Worblental 4:3 n.V. (2:1, 1:1, 0:1, 1:0); Schachenhalle, Aarau. 350 Zuschauer. SR Cereda/Locatelli. Tore: 12. P. Byland (R. Hug) 1:0. 16. X. Schneider (P. Schäfer) 1:1. 20. P. Byland (D. Studer, Ausschluss J. Freudiger) 2:1. 21. D. Studer 3:1. 24. S. Oester 3:2. 48. E. Fritschi (X. Schneider) 3:3. 64. F. Kull (M. Stoltenberg) 4:3.

Strafen: 1mal 2 Minuten gegen Team Aarau. 3mal 2 Minuten gegen Hornets R.Moosseedorf Worblental.

Team Aarau: L. Mäder; P. Stark (ab 50. M. Hunziker), M. Kull; S. Colombo, V. Lacerda; S. Hertig, M. Wagner; D. Studer, M. Stoltenberg, D. Stettler; R. Hug, P. Byland, O. Meyer; N. Neeser, F. Schwaller, J. Heller (ab 45. F. Kull); J. Hofmann; L. Marraffino; O. Bürgi; T. Hunziker.

Hornets R. Moosseedorf Worblental: S. Stöckli; E. Fritschi; E. Tüsel; J. Willi; M. Kipf; M. Steiner; D. Kipfer; X. Schneider; S. Oester; M. Hertig; M. Coray; J. Böhlen; Y. Wendelspiess; S. Zünd; M. Marti; J. Freudiger; J. Rüfenacht; P. Christen; P. Schäfer; F. Grunder.