Wenn die beschauliche Halle der Berufsschule Telli bebt, dann ist es für das Team Aarau ein gutes Zeichen. Am vierten Adventssonntag feierten die Adler zusammen mit ihren lautstarken Fans einen 10:4-Sieg zum Jahresschluss. Die Aufsteiger aus der Kantonshauptstadt revanchierten sich gegen den ambitionierten Traditionsverein UHC Biel-Seeland für die knappe 2:3 Niederlage aus der Vorrunde und gehen damit als Überraschungsleader in die Weihnachtspause.

Dabei fanden die Gäste aus dem Seeland eher besser ins Spiel, waren präsenter und zeigten die gefährlicheren Abschlüsse. Nach vier Minuten brachte Widmer die Berner in Führung. Aarau bemühte sich ins Spiel zu kommen, tat sich aber lange Zeit schwer punkto Präzision und Konzentration. Mit der Rückkehr der beiden rekonvaleszenten Studer und Hofmann sowie der Verpflichtung von Sämi Waser vom UHC Lenzburg – ein Wunschtransfer, den man gerne schon im Sommer über die Bühne gebracht hätte – verfügte das Trainergespann Micheli/Hafner wieder über sichtlich mehr Aufstellungsmöglichkeiten. In der 13. Minute stoppte Lacerda durch kluges Aufrücken einen Bieler Angriff früh und spitzelte den Ball zu Studer, der gradlinig den Abschluss suchte und den Ball in die offene Weite Ecke zum 1:1 versenkte. Mit diesem Resultat ging es in die erste Pause, weil Aarau es in der Folge nicht verstand, beste Chancen zu verwerten. Auch im Mitteldrittel blieb die Partie intensiv und ausgeglichen. Biel fand wieder besser ins Geschehen und war mit seinen Drehschüssen aus der Distanz permanent gefährlich. Bereits in der 22. Minute war es der energievolle und an diesem Abend beste Bieler Ritter, der sehenswert auf 1:2 für die Gäste stellte. Aarau reagierte dieses Mal aber prompt; der erwähnte Neuzugang Sämi Waser konnte auf Pass von Silvan Colombo ausgleichen. Selbiger Colombo bediente in der 28. Minute den aufgerückten Abwehrrecken Glettig, der wuchtig zu erstmaligen Aarauer Führung einschoss. Nun waren die Bieler wieder gefragt, und sie blieben ihrem Ruf, eine ausgeglichene, taktisch und spielerisch gut geschulte Mannschaft zu sein, nichts schuldig. Ritter mit einem weiteren Hammer und Sekunden später Captain Pascal Wuillemin drehten das Spiel in der 33. Minute mit einem Doppelschlag wieder zugunsten der Gäste, die in der Tabelle so gerne den Adlern auf die Pelle gerückt wären. Und es kam noch besser für die Bieler: Der Aarauer Basler musste in der 34. Minute auf die Strafbank, Biel konnte in Überzahl eine Vorentscheidung herbeiführen. Aber Aarau hat im Unterzahlspiel schon vielfach überzeugt, auch in der 2. Liga. So auch dieses Mal. Der Tscheche Vojtisek profitierte von einem Fehler des letzten Bieler Feldspielers und liess in der Folge dem Gästekeeper keine Chance. Kurz vor der Pause war es erneut Studer, der für Aarau traf und seine Farben zum zweiten Pausentee gar in Führung schoss. Und dann setzte Aarau im Schlussdrittel zur Kür an. Studer erhöhte auf Pass von Vojtisek bereits in der 43. Minute auf 6:4. Das Team Aarau liess in dieser Phase den Ball oft sehr gut zirkulieren, setzte sich in der Bieler Zone hartnäckig fest und kam regelmässig zu gefährlichen Torchancen. Vojtisek mit seinen Toren zwei und drei an diesem Abend stellte schliesslich auf 8:4. Die aufopfernd und bis zum Schluss fair kämpfenden Bieler wussten in diesem Moment wohl, dass es kaum noch gelingen würden, den Aufsteiger aus dem Aargau zu bezwingen. Die Aarauer Fans setzten zu Standing Ovations an und feierten mit ihrer Mannschaft Vorweihnachten. Studer mit seinem vierten Tor bei seinem Comeback und Geissler auf Pass von Berner mit dem ersten Stängeli für Aarau in Liga 2 komplettierten die Bescherung und dankten für die unglaubliche Hühnerhautstimmung – noch einmal Tollhaus vor sinnlicheren Weihnachtstagen.

Mit einer vor allem im Schlussdrittel eindrücklichen Leistung verabschieden sich die jungen Adler als Leader in die Weihnachtspause. Dass man ohne jegliche Abstiegssorgen ins neue Jahr starten darf, ist für die Verantwortlichen der sportlichen Führung ausserordentlich erfreulich. Dass man nun sogar um die Aufstiegsspiele ein Wörtchen mitreden kann, ist eine mehr als grosse Überraschung. Das junge Team tut aber gut daran, weiter intensiv zu arbeiten. Viele Spiele standen lange auf des Messers Schneide, und die Gegner hätten es durchaus in den Händen gehabt, die Entscheidung auch zu ihren Gunsten herbeizuführen. Selbstläufer gibt es in dieser Gruppe ohnehin keine. Aarau hat jeden Gegner nun einmal geschlagen, muss sich aber bewusst sein, dass man bei einem Nachlassen auch gut und gerne gegen jeden Kontrahenten verlieren kann. So werden nach ein paar Tagen des Durchatmens rasch wieder eiserne Disziplin und hartnäckiges Dranbleiben gefordert sein. Mit Aargau United wartet das ambitionierteste Zweitligateam im Kanton, das bis dato einiges schuldig blieb. Die Mannen um das Trainergespann Morf/Emch werden sich für das neue Jahr viel vornehmen und alles daran setzen, die Hierarchien im Kanton wieder ins Lot zu rücken.

(Bericht Michael Hafner)

Team Aarau – UHC Biel-Seeland 10:4 (1:1 4:3 5:0); Berufsschule Telli Aarau; 62 Zuschauer; SR Brugger/Moser. Tore: 7. 4. Widmer (Berger) 0:1; 13. Studer 1:1; 22. Ritter (Andrey) 1:2; 23. Waser (Colombo 2:2); 28. Glettig (Colombo) 3:2; 33. Ritter 3:3; 33. Wuillemin Pascal (Widmer) 3:4; 35. Vojtisek (Ausschluss Basler!) 4:4; 38. Studer (Ausschluss Löffel) 5:4; 43. Studer (Vojtisek) 6:4; 47. Vojtisek 7:4; 55. Vojtisek (Romer) 8:4; 56. Studer (Vojtisek) 9:4; 59. Geissler (Berner) 10:4.

Strafen: 2 Mal 2 Minuten gegen Team Aarau, 3 Mal 2 Minuten gegen UHC Biel-Seeland.

Team Aarau: Mäder; Hofmann, Lacerda; Glettig, Basler; Gaberthuel, Wassmer; Studer, Romer, Vojtisek; Maurer Marc, Waser, Colombo; Geissler, Kohler, Müller; Berner; Maurer Andres; Fäs; Keller Chai.

UHC Biel-Seeland: Gindrat; Marti; Andrey; Bigler; Wuillemin Laurent; Wuillemin Pascal; Maurer; Zeier; Rolli; Ritter; Gestach; Liniger; Widmer; Berger; Wyss; Löffel; Freudiger; Sollberger; Basler.