Das "Drü" holt einen Punkt in einer Derby-Doppelrunde, toppt bereits die Punktemarke der letzten Saison und klettert in der Tabelle einen Zwischenrang nach oben. Ausserdem: Alles über die Story, welcher Spieler seinen Stock vielleicht zukünftig "Mjölnir II" nennen wird...

Für Runde drei standen zwei Derbies an. Diesmal war die Anreise kurz und das erste Spiel spät angesetzt. Erst um 13:25 Uhr war Anpfiff gegen die Heimmannschaft Lenzburg. Das Team aus dem verträumten Städtchen östlich von Aarau hatte einen harten Saisonstart und bislang nur einen Punkt errungen. Uns war aber bewusst, dass man den Gegner nicht unterschätzen durfte. Abtasten ist etwas für die Flughafensecurity, die beiden Aargauer Equipen warfen ab Anpfiff alles in die Waagschale. Torchancen liessen hüben wie drüben nicht lange auf sich warten. Die ersten Schüsse machten sich aber die beiden Torhüter, die vereinzelt Angriffe recht spektakulär entschärften, zur Beute. Das erste Tor gelang dann den Lokalmatadoren, indem sie einen Querpass mit einem One-Timer verwerteten. Unsere Versuche waren noch nicht erfolgreich. Die Lenzburger hingegen vermochten die Führung mit einem nächsten Direktabnahmetor und einem Treffer durch einen platzierten Schuss auf 3:0 zu erweitern. Das war aber für uns kein Grund zu verzagen. Das Selbstvertrauen gestärkt durch den eigenen Auftritt kämpften wir eifrig weiter. Bald knackten wir den gegnerischen Abwehrriegel und erzielten unser erstes Tor. Mit vereinten Kräften bremsten wir weitere gegnerische Angriffswellen aus und schossen kurz vor der Pause den Anschlusstreffer.

Bei der Pausenbesprechung wurden individuelle Fehler und kurze Unachtsamkeitsmomente als Gründe für die Gegentore ermittelt. Viel ändern mussten wir nicht, es fehlte lediglich noch der Feinschliff. Diesen wollten wir unserem Spiel defensiv mit engerer Deckung verpassen. Da auch unser Gegner sein Verteidigungsspiel diszipliniert aufzog, blieb die Partie stets intensiv und spannend. Nun waren wir es, die in der zweiten Spielhälfte zuerst trafen und den Spielstand ausgleichen konnten. Die letzten zehn Spielminuten waren angebrochen, als Lenzburg wieder ein Tor vorlegen konnte. Wenige Sekunden nach Anbruch der effektiven Spielzeit nahmen unsere Trainer nach einem Freistosspfiff für uns das Time-Out, um die Aufholjagd und den Schlussspurt zu organisieren. Erstere erübrigte sich unmittelbar nach dem Wiederanpfiff, da wir den Freistoss mit etwas Glück im Tor des Gegners unterbringen konnten. Der Match lag nun auf Messers Schneide. In der letzten Spielminute entrannen die Lenzburger nur knapp einem Treffer. Unsere Aktionen waren allerdings zu wenig sattelfest, um die Schlussphase zu dominieren. So teilten wir bei einem Endstand von 4:4 die Punkte mit dem Gegner.

Kennt Ihr das: Ihr sitzt im Kino oder habt es Euch vor dem Fernseher auf dem Sofa bequem gemacht. Den Streifen, den Ihr Euch reinziehen wollt, habt Ihr noch nicht gesehen und knabbert gespannt an Eurem Popcorn, während der Film unterhaltsam anläuft. Doch plötzlich entgleist die Story, die Handlung wird absurd und beim Abspann fragt Ihr Euch: "Was war denn das für ein Käse?!?"

Ungefähr so erging es uns, als wir nach einer Zwei-Spiele-Pause gegen Niedergösgen antraten. Die Nachbaren aus dem Kanton Solothurn waren bislang ungeschlagen. Nichts desto trotz eröffneten wir die Partie ohne falsche Ehrfurcht. Wie es in der aktuellen Gruppe üblich ist, schenkten sich beide Mannschaften keinen Zentimeter. Lange neutralisierten sich beide Mannschaften gegenseitig, Vorteile zeichneten sich aber für Niedergösgen ab. Unsere Offensivaktionen waren rückblickend zu harmlos. Zu oft schickten wir unsere Stürmer mit langen, aber meist eher unpräzisen Pässen in die Ecken der gegnerischen Spielhälfte. Mit aufsässigem Forechecking erschwerten uns unsere Kontrahenten immer wieder einen geordneten Aufbau. Es zogen aber einige Spielminuten ins Land, bevor die Solothurner das erste Tor schiessen konnten. Sie waren allerdings imstande, den Vorsprung weiter auszubauen. Den Seitenwechsel vollzogen wir dann mit einer Drei-Tore-Hypothek.

 

Diese Situation war uns ja inzwischen hinlänglich bekannt. Bald vernichten wir Rückstände besser, als die Fitnessprogramme von Detlef D! Soost Kalorien. Wir stimmten uns in der Pause kämpferisch auf die Aufholjagd ein und im Verlaufe der zweiten Hälfte gelangen uns auch insgesamt zwei Treffer.  Wir machten aber leider nicht die Rechnung mit Niedergösgen – und dem Schiedsrichter. Letzterer sorgte schon in der ersten Spielhälfte mit einigen Entscheidungen für ungläubige Gesichter, setzte aber seiner zwiespältigen Rolle mit diskussionswürdigen Strafen die Krone auf. Bei einem Ansturm Richtung gegnerisches Tor ging Glanzmann in ein Laufduell mit einem Niedergösger Verteidiger. Im Stile eines Fussballtorhüters warf sich der Niedergösger Goalie vor den beiden Anrennenden in den Ball. Es folgte ein Pfiff des Schiedsrichters, der eine Zweiminutenstrafe gegen Glanzmann aussprach. Dem Aarauer wurde ein angebliches Nachstechen mit dem Stock angelastet. Entnervt begab sich der Verurteilte zum Schwedenkasten, der als Strafbank fungierte. Dabei machte Glanzmann mit einem einhändigen und mässig schwungvollen Stockhieb gegen seine vorübergehende Sitzgelegenheit seinem Ärger Luft. Wie der Hall von tausend Donner schallte der Knall des Schlags durch die Halle – jedenfalls offenbar in den Ohren des Schiedsrichters. Dieser sprach für die regelwidrige, aber allgemein oft praktizierte Zweckentfremdung des Sportgeräts kurzerhand eine 10+2-Minutenstrafe wegen unsportlichem Verhalten aus. Klar, regeltechnisch kann man die Strafe geben. Ob der Enscheid tatsächlich verhältnismässig war, darüber liesse sich lange diskutieren.  Die Niedergösger verwerteten jedenfalls beide Zweiminutenstrafen hocheffizient und in kurzer Zeit. In der Folge verlor das Spiel etwas an Qualität und blieb kampfbetont. Es war nichts für Unihockeyästheten. Zahlreiche Aarauer verfielen aufgrund weiterer, strittiger Schiedsrichterentscheide ins Lamentieren. Dass die Jury-Crew während der effektiven Spielzeit dann einmal auch vergass, die Zeit zu stoppen, passte perfekt in das groteske Bild dieser verkorksten zweiten Halbzeit. Für unsere Niederlage war der Schiedsrichter bestimmt nicht verantwortlich. Zweifellos hat Niedergösgen an diesem 29. Oktober auch verdient gewonnen. Und doch stellen sich bestimmt diverse Aarauer (und vielleicht auch ein paar Niedergösger) die Frage: "Was war denn das für ein Käse???"

 

Kurzzusammenfassung:
Resultat Match 1 vs. Lenzburg: 4:4 (2:3)
Resultat Match 2 vs. Niedergösgen: 2:7 (3:0)

Für das H3 spielten:
Maz Hänni (C), Lienhard (Tr), Stauffenegger (Tr),  Tschopp (G), Glanzmann, Gysel, Hofmann, Peier, Fabian Vonlaufen, Fäbu Zimmermann

Bericht: S. Tschopp (Bericht erfolgte aus dem Gedächtnis, Erinnerungsfehler vorbehalten. ;-) )